Lesesozialisation in Familie, Kindergarten
und Schule
Claudia Hamann; Lisa Steenhuss
Frauen sind heute überwiegend für die Lesesozialisation der
Kinder und Jugendlichen verantwortlich. Sie vermitteln nicht nur Mädchen,
sondern auch Jungen das Bildungs- und Emanzipationspotential der Lesekompetenz.
Damit ist eine neue Dimension in der Alphabetisierung der Frau erreicht.
Männer lesen hauptsächlich um sich zu informieren, nicht aus
Spaß am Lesen. Ihre Lektüre beschränkt sich oft auf Sach-
und Fachliteratur, das politische Buch und den harten Krimi. Männer
erwarten von Büchern kognitive Anregungen und Realismus. Die Entscheidungsträger
der literarischen Welt in Verlagen und in medialen Meinungsmonopolen sind
immer noch Männer.
Als weiterer Grund, aus dem Männer weniger lesen als Frauen, erscheint
die alltägliche Sozialisation von Jungen. Sie scheint eher nach außen
orientiert zu sein, d.h. Jungen sind viel mit Kameraden unterwegs, treiben
gesellige Spiele und agieren lieber in Cliquen [vgl. KÜBLER 1999],
vermeiden also typische Lese-Situationen im Haus.
Die einflussreichste Form der Leseförderung beginnt im Elternhaus.
Studien zeigen, dass vor allem die Rolle der Mutter wichtig ist. Wesentlich
ist der Gedankenaustausch zwischen Kindern und Eltern, in dem das Gelesene
reflektiert wird und das Kind die Möglichkeit erhält, zu verstehen,
seine eigenen Gedanken beizutragen und emotional aufzuarbeiten. Eine freundliche
Leseumgebung und Ruhe unterstützen dabei die Leseatmosphäre
und damit den Erfolg.
Handelt es sich in der Familie um die Mutter, deren Verhalten für
das Leseinteresse der Kinder wichtig ist, so spielt diese Rolle im Kindergarten
die Erzieherin. Kindergärten, wie auch Schulen, können jedoch
nur Substitute für die Leseförderung in der Familie sein. Hier
besteht die Möglichkeit, durch intensive Leseförderung Sprachdefizite
auszugleichen. Sprachförderung erleichtert den Übergang zum
selbstständigen Lesen. Der Kindergarten wird zum Feld der spielerischen
und individuellen Entwicklung der Kinder.
Als ein Beispiel der Leseförderung im Kindgarten gilt das Modellprojekt
- Kinder wollen Bücher (Studie „Kinder und Medien 1999“).
Der Versuch machte deutlich, dass bisherige Bildungskonzepte- und institutionen
überdacht werden müssen, denn gerade in diesem Alter ist es
wichtig Leseförderung zu betreiben, da im Kleinkindalter das kognitive
Lernen besonders erfolgreich ist.
Im Rahmen der Lesesozialisation kommt der Schule die Aufgabe zu, die Lesefähigkeit
der Kinder zu verbessern. Dabei ist es wichtig, die Interessen der Kinder
zu berücksichtigen. Schulen müssen mit Texten arbeiten, die
zur Lieblingslektüre von Kindern gehören oder werden können.
Schulen sollen buchbezogene Anregungen geben und das Leseverhalten der
Schüler unterstützen.
In der folgenden Tabelle erfährt der Leser, welche Elemente momentan
in den Hamburger Grundschulen im Rahmen des Deutschunterrichts berücksichtigt
werden.
Rahmenplan Deutsch in Hamburger Grundschulen
Lesekompetenz Lesen und Verstehen auf Ebene der Informationsentnahme,
des Verknüpfens und des Schlussfolgerns
Lesemotivation Aufbau stabiler Lesemotivation durch Erfahrung von Sinnhaftigkeit
und pers. Bedeutung des Lesens
Lesekultur Vielfältige ansprechende Bücher, Texte und andere
MedienRegelmäßig Zeit zum eigenständigen Lesen, zum Vorlesen,
Zuhören und Austausch über das Gelesene. Dabei lernen Kinder
Textmuster und Gestaltungsformen kennen, Hörverständnis wird
gestärktBesuch von Büchereien, Lesungen, ...
Mit Texten Welten erschließen Bücher über/ von verschiedenen
Kulturen und Sprachräumen, aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft
Sachtexte Eröffnet selbstständiges Lernen, Grundlage für
lebenslanges LernenGezieltes Lesen zur Informationsbeschaffung
Inhalte, die in Hamburger Grundschulen bis spätestens zur vierten
Klasse erarbeitet werden.
Verbindliche Inhalte im Rahmenplan „Lesen“
Unterrichtsmittel Literatur: z.B. Bilderbücher, Kinderliteratur,
Erzähltexte, Lyrische Texte, ...Sachtexte: Sachbücher, Lexika,
CD-ROMsAndere Medien: Hörbuchkassetten, Radiogeschichten, Kinderfilme,
Lesespiele
Vorgaben und Kontexte VorlesesituationZeit zum individuellen LesenBüchereibesucheTheaterbesuche,
KlassenlektüreFilm ansehen
Sachverhalte InhaltTextstrukturTextsortenStil
Arbeitstechniken Nutzung einer BüchereiInformationsbeschaffung aus
gedruckten/elektronischen MedienVerfahren zur TexterschließungVerwendung
von Fachbegriffen
Quellen
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KÜBLER 1999
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: Interdisziplinäre Annäherungen. Weinheim und Basel : Belz
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[zit. 01.11.2004]
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jüngerer Schulkinder : Folgerungen für Leseförderung und
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(Hrsg.) , Trautmann, Thomas (Hrsg.): Kindsein in der Mediengesellschaft
: Interdisziplinäre Annäherungen. Weinheim und Basel : Belz
Verlag, 2001, S.69-84 |