„Kinder wollen Bücher“ – ein Modellprojekt zur Leseförderung im Kindergarten

Katharina Pavlou

„Wie die internationale Forschung eindeutig belegt, werden bereits im Vorschulalter entscheidende Weichen für die Entwicklung von mündlichen und schriftlichen Sprachgebrauch, von verbaler Ausdrucksfähigkeit sowie für Kreativität und Phantasie gestellt.“ (Franzmann, S.104)
Vor diesem Hintergrund wurde 1995 das bis 1998 laufende Modellprojekt „Kinder wollen Bücher“ von der Stiftung Lesen und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde. Mehr als 500 Vorschulkinder und deren Erziehungsberechtigte sowie rund 100 ErzieherInnen aus insgesamt elf Kindergärten/-tagessstätten in Mainz und Wiesbaden wurden drei Jahre lang begleitet. Dabei galt es, Lesedefizite erst gar nicht entstehen zu lassen.. Der Modellversuch entwickelte und erprobte Maßnahmen zur Prävention von „funktionalem Analphabetismus“ bei Klein- und Vorschulkindern.
Folgende Zielsetzungen standen dabei im Vordergrund
- Sensibilisierung von Erzieher/Innen in Kindergärten für die Aufgabe der Lese-
und Medienerziehung;
- Motivationsförderung der Vorschulkinder zum Lesen; Vermittlung von Freude am
Umgang mit Büchern; der Umgang mit Büchern sollte zur selbstverständlichen
Gewohnheit werden
- Beeinflussung des Erziehungs- und Vorbildverhaltens der Eltern im Hinblick auf
Lese- und Mediengewohnheiten
Um sinnvolle und nützliche Methoden und Maßnahmen zur Leseförderung entwickeln und durchführen zu können, wurden im Vorfeld Befragungen der Eltern und der ErzieherInnen durchgeführt.
Allen beteiligten Kindergärten wurden eine Vielzahl von Bilder- und Vorlesebüchern zur Verfügung gestellt. Zusätzlich hatten sie fortlaufend die Möglichkeit, ihren Bücherbestand zu vergrößern. Auch der Bestand an Fachzeitschriften und Fachliteratur für die MitarbeiterInnen wurde ständig ergänzt. Es wurden Leseecken und teilweise ganze Lesezimmer eingerichtet, zu denen die Kinder jederzeit freien Zugang hatten. Außerdem wurde ein kostenloser Ausleihservice eingerichtet.
Ein wesentliches Element des Modellprojekts war die Arbeit mit den ErzieherInnen, da sie natürlich eine große Erziehungs- und Vorbildfunktion im Hinblick auf das mögliche Leseverhalten der Kinder haben. Hier sollten vor allem auch die eigenen Fähigkeiten der ErzieherInnen trainiert werden.
Aktionen zur Lesemotivation und Leseförderung in den Kindergärten/-tagesstätten
- Vorlesestunden
- Bilderbuchbetrachtungen
- Gespräche über Lesestoff
- Malen oder Basteln in Bezug zum Lesestoff
- Rollenspiele in Zusammenhang mit dem Lesestoff
- „Kindergartenbücherei“
- Kooperationen mit Bibliotheken

Ergebnisse des Modellversuchs „Kinder wollen Bücher“
Seitens der ErzieherInnen
Die große Unsicherheit in bezug auf die praktische Umsetzung von Leseförderung konnte abgebaut werden. Sie setzten nun Kinderbücher häufiger und regelmäßiger in ihrer täglichen Arbeit ein und gewannen neue Erkenntnisse der kreativen Möglichkeiten zur Lesemotivation. Eine große Hilfe für die ErzieherInnen waren hier die angebotenen Fortbildungen und Workshops.
Seitens der Kinder
Die Kinder gingen nach dem Modellprojekt selbstverständlicher mit Büchern um und zeigten allgemein ein größeres Interesse an Büchern. Auffallend war auch die positive Entwicklung ihres Konzentrationsvermögens und ihrer Sprachkompetenz.
Seitens der Eltern
Die intensive Leseförderung im Kindergarten führte dazu, dass die Kinder eine quasi erzieherische Rolle ihren Eltern gegenüber einnahmen. Sie bezogen ihre Eltern in die lesefördernden Maßnahmen des Kindergartens mit ein. Die Vorlesefrequenz im Elternhaus stieg dadurch deutlich an. Die Eltern entdeckten den Kindergarten zunehmend als „Quelle für Lesestoff“ und schätzten auch die kostenlose Bücherausleihe.
Das Modellprojekt „Kinder wollen Bücher“ schildert ausführlich, wie man Leseförderung schon im Vorschulalter der Kinder praktisch umsetzen kann.

Quellen
Strecker, S., Pfarr, K. (2001). „Kinder wollen Bücher“ – ein Modellprojekt zur Leseförderung im Kindergarten. In: Kindsein in der Mediengesellschaft. Weinheim und Basel: Beltz Verlag
Franzmann, B. (2001). Gutenbergs Kinder – Neuere Daten zum Mediengebrauch und Ergebnisse des Modellprojekts „Kinder wollen Bücher“. In: Kindsein in der Mediengesellschaft. Weinheim und Basel: Beltz Verlag

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