Weibliche lesende Literaturfiguren aus drei Jahrhunderten

Karin Dorn; Ulrike Harney; Dorit Lehmann

Bücher eröffnen neue, phantasievolle Welten. Sie ist angefüllt mit Menschen, die gut oder böse erscheinen, mit aufrichtigen und geheuchelten Gefühlen, mit ehrenhaften oder niederen Absichten. Gerade weibliche Leserinnen haben sich im Laufe der Jahrhunderte mit Hilfe der Lektüre ihre eigenen Weltbilder erschaffen. Romane bieten eine besondere Erweiterung ihres Erfahrungsraumes und tragen in wesentlichem Maße zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und des eigenen Selbstbewusstseins bei.
Dennoch sind die Auswirkungen des Lesens auf das Leben der Frauenfiguren in Romanen differenziert zu betrachten. Nicht immer sind die Schlüsse, die Frauen in Romanen aus der Lektüre für ihr eigenes Leben ziehen, positiv. Geprägt durch ihre sozialen Kreise besitzen die Figuren unterschiedliche Bildung und eine daraus resultierende unterschiedliche Weltsicht.
Die nachfolgenden Texte beschäftigen sich mit unterschiedlichen Typen weiblicher Literaturfiguren. Es werden Heldinnen aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert porträtiert, um die Bandbreite weiblichen Lesens, die Vielfalt der Charaktere sowie die sozialen Entwicklungen im Verlauf der Jahrhunderte aufzuzeigen. Sie geben einen Einblick in weibliches Lesen und in die Beweggründe der Frauen. Jede auf ihre Art ist einzigartig und dennoch verkörpern sie einen bestimmten Typus von Leserin, deren Leben durch die Lektüre auf unterschiedliche Art und Weise geprägt und bestimmt wird. Und sind die Figuren auch fiktional, so transportieren sie doch eine Menge an realer Weiblichkeit, manchmal naiv und manchmal klug, und führen die Welt der Literatur lebendig vor Augen. Fiktionalität bedeutet nicht, dass sie „unwahr“ ist.

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