Literatur im Netz

Anja Hesselbarth; Andrea Sommer

Internet-Buchhandel
Seit dem Aufkommen des Internet erschienen immer neue Spekulationen über ein Verdrängen der traditionellen Medien. Für den Buchmarkt erfüllten sich diese Annahmen nicht. Das Lesen am Bildschirm erweist sich, besonders bei langen Texten, als zu anstrengend und zu zeitintensiv. Trotzdem macht sich der Buchhandel die Eigenschaften des Internet zu Nutzen. Der Online- oder Internet-Buchhandel zählt zu den wachstumsstärksten Bereichen des Buchmarktes.
In der Rangliste der bevorzugtesten Einkaufsorte für Bücher liegt das Internet mit 7% auf Platz 6 noch vor dem Bahnhofbuchhandel. Insgesamt gibt es 55,23Mio Buchkäufer in Deutschland. Männer (22,47Mio) und Frauen (22,76Mio) machen hierbei ungefähr den gleichen Anteil aus. Bei den Online-Buchkäufern sind Frauen jedoch nur zu 1/3 (36%) vertreten.
Bücher stehen auf Platz 1 (45%) der online erworbenen Produkte. Insgesamt stieg der Buchverkauf über das Internet zwischen den Jahren 2002 und 2004 um 49% auf 4,34Mio.
Auch die Zahl der deutschen Buchanbieter im Internet wuchs auf ca. 2.000 im Jahr 2001. Im Vergleich 1998 waren es nur 600. Der Internet-Umsatz mit Büchern verzeichnet starke Wachstumsraten. 84% der Verlage sehen eine zunehmende zukünftige Bedeutung des Internet-Buchhandels voraus.

Onlinenutzertypen (laut ARD-Online-Studie 2004)
Laut ARD-Online-Studie werden Online-Nutzer in sechs Gruppen unterteilt. Frauen gehören vorrangig zu den jungen Flaneuren und den Randnutzern. Die Gruppe der Jungen Flaneure haben sich das neue Medium Internet umfassend zueigen gemacht oder sind dabei, seine Möglichkeiten breit zu erschließen und auszuschöpfen. Der Ausdruck Junge Flaneure bezieht sich auf die charakteristische Neigung zum virtuellen Flanieren in der eigenen regionalen oder lokalen Lebenswelt, um sich vorwiegend über Freizeitmöglichkeiten zu orientieren. Es handelt sich vorwiegend um junge, weibliche Nutzer, zwei Drittel der Jungen Flaneure sind Frauen unter Dreißig. Gekennzeichnet sind sie durch einen pragmatischen, weniger emotionalen Zugang zum Internet. Das grafische Profil macht die Applikationspraxis der Jungen Flaneure noch einmal übersichtlich: hohe E-Mail-Aktivität, sehr stark ausgeprägte Beteiligung an Chats und Foren, relativ große Energiereserven beim Surfen, Ausdauer bei der Informationssuche, Durchschnitt beim Dateidownload, Zurückhaltung beim Homebanking und nur leicht überdurchschnittliche Beteiligung bei Auktionen und Versteigerungen. Eine zweite Gruppe an denen Frauen (47% über 40 Jahre) einen hauptsächlichen Anteil (54%) haben sind die Randnutzer. Diese Gruppe ist derzeit mit 32,2% die größte Onlinenutzergruppe. Randnutzer weisen eine deutlich distanziertere Haltung gegenüber dem Internet auf. Das Internet wirkt auf sie zuweilen diffus, tendenziell gefährlich und man neigt dazu, sich auf bewährte Anwendungen (E-Mail-Kommunikation, Angebote der Provider) zu beschränken. Es fehlt an Web-Kompetenz und an Motivation zur Erforschung unbekannter Web-Sphären. Randnutzer geben an, das Netz nur ab und zu für die eine oder andere Information und Auskunft zu brauchen. Der Computer oder das Internet sind also weit davon entfernt, im Mittelpunkt des Medienalltags dieser Gruppe zu stehen. Man beschränkt sich auf die relativ sparsame Nutzung der E-Mailkommunikation, auf Homebanking und auf gelegentliches Aufsuchen speziell interessierender Informationen.

E-Books
"E-Books sind tot. Es liest doch niemand freiwillig ein Buch am Computer oder gar auf dem Handy-Display!"
Voraussetzungen für die Nutzung von E-Books sind ein Internetzugang sowie Erfahrung oder ein Minimum an Vertrautheit mit der Internet-Technologie und im Computerumgang. Zu den Nutzern zählen insbesondere die jüngere Generation, professionelle PC-Anwender, Business-Leute, die schnell Informationen benötigen. Im Bereich des elektronischen Publizierens können die E-Books die Erwartungen der Verlage nicht erfüllen. Eine Ausnahme bilden jedoch die Nachschlagewerke (1%) bei denen die Erwartungen voll und ganz erfüllt werden. Dies bestätigt die Annahme, dass Inhalte für E-Books hauptsächlich solche sind, die sich elektronisch gut darstellen lassen, z.B. kurze Texte.
Trotz der negativen gegenwärtigen Beurteilung und des zukünftigen Ausblicks steigt die Bedeutung der E-Books für die Verlage von 24 auf 32%. In den USA steigen die Verkaufszahlen elektronischer Bücher stetig an. Im ersten Quartal 2004 wurden rund 420.000 E-Books verkauft, das sind 46% mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch in Deutschland wächst der Markt. Ciando.de, an dem unter anderem der Buchhändler Thalia und der Verleger Florian Langenscheidt beteiligt sind, bietet ca. 2500 deutschsprachige Titel zum Download an. Zusammen mit der Universität München eröffnete Ciando die erste deutschsprachige E-Bibliothek, die rund 600 Titel erfasst. Sind Frauen die geeigneten, typischen Nutzer für E-Bücher? Ihr Leseverhalten und die Häufigkeit von Buchkäufen, die von Frauen getätigt werden, ließe vermuten, sie auch für die neue Lese-Technologie gewinnen zu können. Jedoch erfüllt das Internet-Nutzungsverhalten der Frauen als junge Flaneure oder Randnutzer die Vorraussetzungen für den E-Buch-Gebrauch nicht. Auch die Tatsache, dass zur Zeit hauptsächlich Nachschlagewerke oder Fachinformationen elektronisch veröffentlicht werden, schließt Frauen als „Schöne Literatur-Leser“ aus. Im Hinblick auf den Buchmarkt und das Internet nutzen Frauen den Online-Buchhandel stärker als die E-Bücher. Denn hierbei kann "frau" immer noch das traditionelle „Paper-Book“ in den Händen halten.

Internet ist Mehr-Wert!
In den letzten Jahren hat nicht nur die Online-Nutzung der Frauen zugenommen – im Jahr 1997 waren ca. 25% der Internet-Nutzer weiblich, im Jahr 2004 hat sich diese Zahl schon fast verdoppelt – sondern auch das Angebot an Frauenzeitschriften im Internet konnte eine Steigerung aufweisen. Die Anzahl der sich im Internet befindlichen Frauenzeitschriften – ohne dabei jedoch die Feministischen mitzuzählen – beläuft sich z.Zt. auf ca. 50 Ausgaben.
Die großen klassischen Frauenzeitschriften – darunter fallen beispielsweise Brigitte (beliebteste deutsche Frauenzeitschrift sowohl als Print- als auch als Online-Ausgabe), Freundin oder Amica – behandeln so genannte Frauenthemen wie Mode, Beziehung, Gesundheit, Diät u. a.. Frauenzeitschriften der „Yellow Press“, die vornehmlich der Unterhaltung dienen – beispielsweise Frau im Spiegel oder Bild der Frau – legen ihre Themenschwerpunkte auf Prominente, verpackt in „Klatsch- und Tratsch“-Geschichten. Dahingegen waren feministische Zeitschriften am Ende der 90er Jahre – zu nennen ist hier beispielsweise Emma, als die größte deutsche feministische Zeitschrift – im Internet nur spärlich vertreten.
Einer der Gründe, warum Frauenzeitschriften in den 90er Jahren online nicht so präsent erschienen, war der niedrigen Anteil der Internet-Userinnen. Das „World Wide Web“ wurde im Wesentlichen von den männlichen Nutzern frequentiert. Hieran kann auch der hohe Prozentsatz von ca. 73% im Jahr 1997 ausgemacht werden. Im Gegensatz dazu belief sich im selbigen Jahr der Frauenanteil auf ca. 25%.
Die weiblichen Internet-User erwarteten damals wie auch heute von einem Zeitschriften-Online-Angebot in erster Linie Interaktivität, d.h. Chat, E-Mail, Abruf von Serviceinformationen, Online-Shopping, Lebensberatung, Jobbörsen und diverse Gewinnspiele. Darüber hinaus werden von den Nutzern die vollständigen Inhalte wie im Heft – frauenspezifische Themen oder auch weiterführende Links – erwartet.
Die mittlerweile zahlreichen Online-Frauenzeitschriften stellen eine gute Ergänzung zur Print-Ausgabe dar, sind aber nicht dazu gedacht, diese zu ersetzen. Der Gedanke an das Heft steht immer im Vordergrund. In der Online-Ausgabe ist daher immer ein Verweis auf einen Abo-Abschluss für die Ausgabe in Printform vorhanden.
Frauenzeitschriften in Online-Versionen sind „Appetithäppchen“. Sie sollen die UserInnen dahingehend ködern, sich die Ausgaben in Print zu bestellen. Die Form der Köderung liegt sowohl in kurzen, prägnanten (Ausschnitt)texten als auch in den entsprechenden Bildern. Darüber hinaus bietet das Internet für Frauenzeitschriften eine gute Plattform, um Gleichgesinnte – im Hinblick auf die Kommunikationsformen wie Chat oder E-Mail – zusammenzuführen. Eine Print-Ausgabe kann diese Art der Kommunikation nicht erfüllen; sie ist nicht möglich. Ferner wird durch die Kommunikation untereinander die Identifikation zum Produkt gestärkt, ein „Wir“-Gefühl kann entstehen.

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