Schreibende Frauen im Internet

Anika Hermann; Julia Hipp

Writing Women Wanted – Online-Journalistinnen in Deutschland
Die Nutzungszahlen von journalistischen Angeboten sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Demzufolge hat auch die gesellschaftliche Relevanz des Online-Journalismus zugenommen. In Deutschland gibt es eine Gesamtzahl von 1150 redaktionellen Einheiten, die journalistische Onlinemedien produzieren. In diesen Redaktionen sind schätzungsweise 7800 Journalisten tätig, darunter sind ca. 4400 Mitarbeiter fest angestellt. Der Frauenanteil unter den Online-Journalisten beträgt in etwa 38 %. Dieser Wert ist nahezu identisch mit dem Anteil der Frauen, die für Print-Medien arbeiten: auch hier sind nur etwa ein Drittel aller Journalisten weiblich.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, ob und wenn ja welche Unterschiede es bezüglich des Frauenanteils in den Online-Redaktionen sowie den Print-Redaktionen gibt. Sind eventuell die technisch induzierten neuen Herausforderungen (Programmierung, Bildbearbeitung, HTML, XML, Flash-Animationen) an die redaktionellen Arbeitsweisen und Darstellungsformen ein Hindernis für weibliche Journalistinnen, um in diesem Arbeitsbereich tätig zu werden?
Zweifelsohne besitzt heutzutage eigentlich jede Ausgabe des deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenmarkts einen Online-Auftritt. Bei der Analyse diverser Impressen bekannter deutscher Nachrichtenmagazine, Tageszeitungen und Zeitschriften, welche über die Printausgabe hinaus auch über ein Onlineangebot verfügen, stößt man auf interessante Erkenntnisse.
In der Redaktion „stern.de“ sind laut Impressum (Stand: 02. November 2004) 21 Mitarbeiter beschäftigt: darunter fünf Frauen sowie 17 Männer. Das entspricht einem Frauenanteil von 23,8 Prozent. Die weiblichen Mitarbeiter besetzen folgende Bereiche:
Bereich „Redaktion“ (jeweils 1 Mitarbeiter pro Abteilung):
2 Frauen, 9 Männer, davon eine Redakteurin im Bereich Campus und Karriere und eine Redakteurin im Bereich Wirtschaft
Bereich „Grafik und Web-Development“:
1 Frau, 2 Männer. Die Bereiche „Technik“ sowie „Content Services“ sind bei „stern.de“ in männlicher Hand. Erstaunlicherweise ist aber der Posten des Chefredakteurs weiblich besetzt.
Die Printausgabe des „Stern“ beschäftigt 162 Mitarbeiter (exklusive aller Außenbüros). Davon entfallen auf die männlichen Journalisten 104 Stellen, 58 Mitarbeiter sind Frauen (36% Frauenanteil). Die weiblichen Journalistinnen besetzen folgende Bereiche (in Klammern angegeben ist die Anzahl der männlichen Kollegen):
1 x Art Director (1); 1 x Textchef (3); 6 x Redaktion Politik und Wirtschaft (11); 4 x Redaktion Deutschland und Gesellschaft (5); 4 x Redaktion Ausland (6); 3 x Redaktion Wissenschaft und Medizin (6); 3 x Redaktion Kultur und Unterhaltung (8); 2 x Redaktion Auto, Sport und Reise (9); 4 x Redaktion Mode und Lebensart (2); 2 x Nachrichtenredaktion (3); 6 x Bildredaktion (7); 8 x Grafik (12); 7 x Schlussredaktion (9). Festzustellen ist, dass bis auf den Bereich Mode und Lebensart, in allen anderen Abteilungen mehr Männer als Frauen arbeiten.(Stand: 02. November 2004)
Der Online-Ableger der überregionalen Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ – „Tagesspiegel Online“ – beschäftigt laut Impressum (Stand: 07. Dezember 2004) 19 Mitarbeiter. Davon sind nur drei Mitarbeiter weiblich. Die Frauen betreuen die Inhalte für die Bereiche Grafik und Webdevelopment, regionale Vermarktung sowie eine weibliche Mitarbeiterin arbeitet im Bereich der Redaktion. Die Technik-Abteilung wird von 4 männlichen Kollegen geführt. Die Print-Ausgabe des „Tagesspiegel“ (Stand: 07.Dezember 2004) verzeichnet 38 redaktionelle Mitarbeiter, 29 Männer und 9 Frauen. Das entspricht einer Frauenquote von 24 Prozent. Die neun weiblichen Mitarbeiter teilen sich wie folgt auf: 1 x stellvertretende Chefredakteurin, 2 x Redaktion Politik, 4 x Redaktion allgemein, 1 x Redaktion Medien, 1 x Art-Directorin. In der Redaktion der Frauenzeitschrift „brigitte.de“ arbeiten laut Impressum (Stand: 02.November 2004) 16 Journalisten. Davon besetzen Frauen 11 Posten, die restlichen 5 Stellen sind männlich besetzt. Die weiblichen Mitarbeiter sind komplett zuständig für die Bereiche Redaktion (5 Mitarbeiter), Community Management (1), Marketing (1) sowie für das Angebot Shop (1). Der Posten der Geschäftsführung wird gemeinschaftlich geteilt zwischen einem Mann und einer Frau. Im Bereich Technik sind nur Männer angestellt, allerdings findet sich im Bereich Producing neben 2 männlichen Mitarbeitern auch eine weibliche Kollegin.
Im Heft der „Brigitte“ sieht die geschlechtermäßige Arbeitsverteilung nahezu gleich aus. Auch hier dominieren die Frauen mit 18 Stellen gegenüber den Männern mit nur 2 Stellen. Die männlichen Mitstreiter sind also bei der Print-Ausgabe noch mehr unterrepräsentiert. Der Frauenanteil entspricht 90 Prozent. Alle Redaktionsarbeiten sind wie beim Online-Auftritt von Frauen abgedeckt. Darüber hinaus finden sich bei „Brigitte“ zwei Geschäftsführerinnen. Die beiden Männer arbeiten zum einen als Chefredakteur, zum anderen im Anzeigenbereich.
Fazit: Männer kümmern sich um die Technik – Frauen um ihnen nahe stehende Inhalte
Bei der Betrachtung der vorangestellten Ergebnisse wird folgendes deutlich:
- Die Männer sind anzahlmäßig klar in der Mehrzahl beim Nachrichtenmagazin sowie der Tageszeitung. Dass die Frauen den immens größeren Anteil bei einer Frauenzeitschrift ausmachen, sollte klar sein und ist sicherlich auch so definiert. Deshalb verwundert die hohe Frauenquote in diesem Bereich nicht.
- Der Anteil der weiblichen Mitarbeiter beim Stern trifft am ehesten auf die Untersuchungsergebnisse der vorgestellten Studie zu (ca. 1/3). Wie bei allen anderen Online-Ausgaben auch, ist der Frauenanteil in der Online-Redaktion geringer als der Anteil der Frauen in der Print-Redaktion. Somit wird der vermutete Zusammenhang zwischen den technisch induzierten neuen Herausforderungen, die beim Internetmedium auftreten, bestätigt. Die Technikbereiche in den Online-Redaktionen befinden sich in männlicher Hand. Frauen besetzen diese speziellen Bereiche, die das Onlinemedium mit sich bringt, in der Regel wenig bis gar nicht.
- Frauen kümmern sich meistens um ihnen nahe stehende Bereiche wie Campus und Karriere (stern.de) oder um Mode und Lebensart (Stern). Männer dominieren die Bereiche Politik, Wirtschaft, Sport und Technik. Das klassische Klischeebild von Mann und Frau wird somit im Journalismus (noch) bestätigt.

Internet als anonyme Kommunikationsplattform – Autoren ohne Unterschiede
Publikations-Unterschiede zwischen Frauen und Männer stellen sich im Internet nicht dar. Das Internet als Plattform für schreibende Künstler ist geschlechterunabhängig. Es stellt sich die Frage, welchen Nutzen das Internet für die Autorin hat und warum es als Publikationsform verwendet oder nicht verwendet wird. AutorInnen der Neuzeit werden im Allgemeinen nur von den Verlagen im Internet vertreten, dies geschieht im Rahmen von kurzen Portraits bis hin zu Leseproben. Oftmals stellt der Verlag einen Link zu der persönlichen Homepage der/s Autor/in her.
Der Umfang einer solchen Website hängt stark vom allgemeinen Bekanntheitsgrad der Person ab, so z.B. ist die Website der Harry Potter Autorin Joanne K. Rowling sehr aufwändig mit vielen Informationen, Animationen und Musik erstellt. Nicht nur die allgemeinen Verkaufszahlen der Bücher, sondern auch die weltweite Verlinkung der Seite und die sechssprachige Verfügbarkeit, spiegeln den Erfolgsgrad der Autorin wieder.
Ausnahmen bilden einzelne Künstler, die eigene Homepages ins Netz stellen oder über Fanseiten begeisterter Leser vertreten werden.
Eine besondere und vor allem anonyme Art der Publikation bieten „Online-Tagebücher“ oder „Blogs“ genannt. „Bloggen“ nennt sich der neue Trend, der z.Zt. das Internet stetig aufmischt. Dank des Internets werden private literarische Produktionen der Menschen für jeden les- und kommentierbar, und das ganz bewusst gewollt. Daran beteiligen sich alle Art von Menschen, Schriftsteller, Wissenschaftler, Schüler und Studenten sowie ganze Unternehmen. Der Markt hat das „Bloggen“ längst als potenzielles Instrument für Marketing und PR erkannt. Hauptgrund für den Boom der Blogs ist jedoch ein anderer:
Das Schreiben im Internet drückt ein eigenes Lebensgefühl aus und scheint besonders für Frauen interessant zu sein, sei es aus Neugier oder aus dem Drang sich mitzuteilen. Das Internet-Magazin Networld berichtet 2004, dass ca. 5 Millionen Tagebücher weltweit online sind, in Deutschland rund 60.000 . Man nimmt an, dass ca. 51% der Autoren weiblich sind. Genaue Daten darüber können aus Gründen der Anonymität nicht erhoben werden, da ein Blog zumeist unter einem Pseudonym (Nickname) ins Netz gestellt wird. Einzeln erhobene Studien kommen aber zu dem Ergebnis, dass der durchschnittliche Blogger ein weiblicher Teenager ist.
Einen Meilenstein der Online-Tagebuch-Geschichte, die es seit ca.1996 gibt, stellt die Buchautorin Else Buschheuer dar, die mit ihrem Online-Tagebuch, live die Erlebnisse des 11. September 2001 im Internet als Augenzeugin publizierte. Das Tagebuch, das immer noch täglich aktualisiert wird, wurde nun schon in der dritten Folge in Buchform verlegt.
Die vollständigen Texte von AutorInnen können im Gutenberg-Projekt nachgelesen werden. Möglich ist das nur bei AutorInnen, die seit über 70 Jahren verstorben sind, da ab dann das Urheberrecht erlischt.

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